Wie wird meine Tochtergesellschaft in Deutschland besteuert?

Ausgangslage:

Ein Unternehmen hat seinen Sitz in Frankreich. Es hat eine Tochtergesellschaft in Deutschland. Diese Tochtergesellschaft gehört dem Unternehmen in Frankreich zu 100%. Nun erwirtschaftet die Tochtergesellschaft im Steuerjahr 2017 einen Gewinn von EUR 100.000. Sie möchte ihren Gewinn zu 100% an die Muttergesellschaft abführen. Welche Steuern fallen an?

Die Steuerlast in Deutschland:

Die Tochtergesellschaft zahlt auf den Gewinn in Deutschland 15,9% Körperschaftssteuer (inkl. Solidaritätszuschlag) und knapp 15% Gewerbesteuer. Der Tochtergesellschaft verbleibt also in Deutschland ein Gewinn von ca. EUR 70.000.

Die Steuerlast in Frankreich:

Die Tochter führt diesen Gewinn nun vollständig an die Muttergesellschaft in Frankreich ab und 95% dieses an die Muttergesellschaft abgeführten Gewinns bleibt steuerfrei. Auf die restlichen 5% fallen französische Körperschaftssteuer an. Der Muttergesellschaft verbleiben also EUR 69.000.

Hintergrund:

Die seit 1990 geltende „Mutter Tochter“ Richtlinie der Europäischen Union hat zum Ziel, dass Gewinnausschüttungen einer Tochtergesellschaft an eine Muttergesellschaft nicht doppelt besteuert werden, nur weil die Tochter- und die Muttergesellschaft in verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten ansässig sind.

Wenn also…

  • die Muttergesellschaft zu mindestens 10% an der Tochtergesellschaft beteiligt ist,
  • die beteiligten Gesellschaften in verschiedenen EU-Mitgliedstaaten ansässig sind und
  • die Tochtergesellschaft Gewinne an die Muttergesellschaft ausschüttet,

dann unterliegt die Tochtergesellschaft vollständig der Besteuerung in dem Staat ihres Sitzes. Das haben wir oben berechnet.

Die Entscheidung des Staates der Muttergesellschaft:

Der Staat, in dem die Muttergesellschaft ihren Sitz hat, hat nun die Wahl:

  • Entweder werden die Gewinnausschüttungen an die Muttergesellschaft vollständig von der Steuer befreit, oder
  • die Besteuerung wird angeordnet aber mit der Möglichkeit der Anrechnung des Steuerbetrags, den die Tochtergesellschaft bereits auf die Gewinne gezahlt hat.
Was bedeutet das für unser Beispiel?

Frankreich hat sich dafür entschieden, die Gewinnausschüttung an die Muttergesellschaft grundsätzlich von der Steuer zu befreien. Allerdings können die mit der Beteiligung zusammenhängenden Verwaltungskosten vom Gewinn der Muttergesellschaft nicht abgesetzt werden.

Diese Kosten werden mit einem Pauschalbetrag in Höhe von 5 % der von der Tochtergesellschaft ausgeschütteten Gewinne geschätzt und besteuert.

Im vorgenannten Beispiel werden von dem an die Muttergesellschaft ausgeschütteten Gewinn etwa EUR 3.500,00 (5% von 70.000) als Verwaltungskosten geschätzt. Sie unterliegen in Frankreich der Körperschaftsteuer in Höhe von 28% (ab 2018, wenn der Gesamtgewinn unter EUR 500.000 liegt). Es fallen also ca. EUR 1.000 Steuern an.

Besonderheiten:

In Frankreich gilt die Mutter-Tochter Regelung schon ab einer Beteiligung zu 5% an der Tochtergesellschaft, wenn diese Beteiligung während eines ununterbrochenen Zeitraums von mindestens 2 Jahren im Besitz der Muttergesellschaft geblieben ist.

Ab einem Gewinn von EUR 500.000 fällt in Frankreich eine Körperschaftssteuer von 33,33% an.